Die Stiftung Friedensbewegung (demnächst Stiftung Friedensbildung) und ihr Projekt EN-PAZ haben über 5.000 Seiten Lehrpläne anhand von Suchworten ausgewertet. Das Ergebnis war niederschmetternd: Es dominieren die Lehrthemen Landesverteidigung, Deutschlands Rolle in NATO und UNO, Bundeswehr, Friedensmissionen. Die Themen Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensbewegung fehlen. Die Rolle der Bundeswehr bei weltweiten Einsätzen als „Krisenreaktionskräfte“ wird nicht analysiert und schon gar nicht kritisch bewertet. In den Lehrplänen aus den Neuen Bundesländern werden zumindest militärische und gewaltfreie Konfliktlösungen angesprochen. Rühmliche Ausnahme ist die Veröffentlichung „Friedenserziehung in den Lehrplänen“ aus Schleswig-Holstein, den die damalige SPD-Kultusministerin Erdsiek-Rave durchgesetzt hat. Aber auch sie stammt schon aus dem Jahre 1997 und legt den Schwerpunkt auf individuelle Konflikte. Hessen ist ebenfalls eine Ausnahme, weil dort schon in der gesetzlichen Regelung über die Lehrpläne die Friedenserziehung bei den Bildungs- und Erziehungsaufgaben erwähnt wird. Demgemäß taucht der Begriff in den Lehrplänen auf, es fehlen jedoch weitere Handreichungen für Lehrer/innen. Die weitgehende Diaspora des Themas Friedenserziehung bei den Lehrplänen hat zur Folge, dass auch in den Schulbüchern keine entsprechende Vertiefung erfolgt, geschweige denn den Lehrkräften Material zu dessen Vermittlung an die Hand gegeben wird. Die Netzwerke Friedensbildung Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich vorgenommen, auf die Lehrplangestaltung Einfluss zu nehmen. Dazu gibt es derzeit ein window of opportunity, weil die Lehrpläne bundesweit unter dem Blickwinkel Kompetenz überarbeitet werden müssen. Die Semantik eines derartigen Lehrplans (Katholische Religionslehre) wird von der Autorin gerade erarbeitet; von den Ergebnissen kann demnächst berichtet werden.
Die Ergebnisse der Durchsicht können bei mir unter jb ät en-paz punkt de angefordert werden.