Am Wochenende fand das 2. außenpolitische Barcamp der AGen Außen- und Sicherheitspolitik und Europa der Piratenpartei statt. Der Ort war wunderbar gewählt: ein großräumiges und doch übersichtliches Theater- und Freizeitzentrum mitten in Potsdam, welches den Ansprüchen: Saal für die zentralen Vorträge sowie mehrere Räume für die Workshops, Raum zum gemeinsamen Essen, Parkplätze und Grünflächen zum Grillen mit Kinderspielplatz gerecht wurde. Dann liegt es auch noch direkt am Heiligen See, sodass es möglich war, morgens und abends sowie zwischen den Reden und Workshops Schwimmen zu gehen!


Die über Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa hörten Vorträge von international renommierten Wissenschaftlern wie Dr. Sandro Gaycken über Cyberwar am Sonntagmorgen; Dr. Matin Baraki, ein afghanischer Friedensforscher und Politologe und Tobias Pietz vom Zentrum für internationale Friedenseinsätze (ZIF) nahmen an einem Panel zu Entwicklungspolitik und ziviler Konfliktbearbeitung teil und unterhielten sich mit dem Pirat Alfred Horn, seines Zeichens jahrzehntelang in der Entwicklungshilfe u.a. für HELP in Afghanistan tätig und der jungen Caroline Mosler (momentan bei der GIZ) mit Arbeits- und Forschungserfahrungen aus China, Nepal und der Mongolei am Samstagmorgen fast drei Stunden über die Situation in Afghanistan.
Die Streams zu allen Vorträgen findet ihr vorläufig hier
Das Fazit der Experten war es, dass die Entwicklungszusammenarbeit leider zu häufig als Aufräumhelferin während und nach gewaltsamen Konflikten herhalten muss. “Eiserne Faust im Samthandschuh” (Dr. Baraki) oder “Kamellewagen im Panzerkonvoi” (Alfred Horn) waren Bilder die herhalten mussten. Tobias Pietz vom ZIF stellte demgegenüber präventive Instrumente der internationalen Friedenseinsätze vor, sehr zu empfehlen in dem Zusammenhang sind die Materialien zu Internationalen Konflikten zum Download.
Ich habe in dem Zusammenhang heute noch eine LiquidFeedback-Ini gestartet: Zivile Krisenvorbeugung im Makro-Bereich stärker fördern.

Das Fazit von Dr. Gaycken war äußerst besorgniserregend: Unsere Wissens- und Informationsgesellschaft basiert auf einer sehr unsicheren IT. Über z.B. Microsoft befinden sich womöglich so genannte “logic bombs” (das sind Computerbefehle, Pogramme oder Subprogramme, welche darauf ausgelegt sind Schaden, Datenschaden oder unautorisierte Änderungen an der Software oder dem Server zu verursachen) in unseren Rechnern, ähnliche “Einfallstore” für Geheimdienste und andere Akteure könnten sich z.B. in chinesischer Hardware verstecken. Außerdem sind Angriffe von militärischen Hackern nicht zu verorten (sogenanntes Attributionsproblem) weswegen u.a. nahezu alle Kategorien des Völkerrechts oder herkömmliche Begriffe der Justiz generell nicht (mehr) greifen. Das Rechtswesen ist (wie u.a. bei Urheberrecht auch) völlig im Hintertreffen. Diesem Problem haben sich dann die Teilnehmer der neu gegründeten AG Cybercrime angenommen und erste Schritte zu einer Position der Piratenpartei in einem Pad (Link) unternommen.
Die Streams zu allen Vorträgen findet ihr vorläufig hier
Ich habe etwas zum dringenden Reformbedürfnis der Satzung der IAEO und des Non Proliferation Treaty erzählt (Download); wer mehr zur Nuklearen Abrüstung und den Aktivitäten der Piraten in dem Bereich hören möchte, dem sei die Frankfurter Konferenz am 11. August wärmstens empfohlen.
Die UG Verteidigung, eine Untergruppe zur AG Außen- und Sicherheitspolitik stellte sich auch vor. Ich konnte leider nicht hin, weil ich Referenten zum Bahnhof fahren musste, finde jedoch ihre Arbeit ausgesprochen interessant! Ich habe übrigens kürzlich mit einigen Interessierten die IG Friedensforschung gegründet (Interessengemeinschaft;) und freue mich auch sehr über weitere TeilnehmerInnen! Einfach im WIKI eintragen :)
Angelika Beer hielt übrigens auch einen sehr versierten Vortrag zur Rüstungskontrolle und definierte das Transparenzerfordernis, dass die Piratenpartei hier einfordern sollte. Ihre umfänglichen Thesen findet ihr hier.
Bei den EU-Piraten konnte ich leider gar nicht vorbeischauen, da mein Schwerpunkt mehr in der Außen- und Sicherheitspolitik liegt und ich ja auch mein kleines Monster dabei hatte. Ich möchte Mandy noch mal für ihre Bereitschaft zur Kinderbetreuung danken, durch sie konnte ich unbeschwert Politik machen;) Vielen vielen Dank! Die Piratenpartei ist eine sehr kinderfreundliche Partei und ich kann die aktive Teilnahme an unserer Politik allen Eltern wärmstens empfehlen!

Mein persönliches Fazit: Ich habe wieder sehr viele nette Piraten kennengelernt! Die Organisation und die Abläufe waren top! Da wirklich viele Interessen, Ideen, Anregungen und Vorlieben unter eine Hut gebracht werden mussten, war es im Vorfeld etwas chaotisch und die Planungen liefen manchmal durcheinander. Zum Beispiel war nicht klar, ob man an dem Wochenende tatsächlich fertige Positionspapiere erstellen oder viele interessante Vorträge hören wollte. So wie es jetzt letztendlich lief fand ich die Mischung beider Ansprüche gut gelungen und konnte persönlich sehr viel mitnehmen.
Mein persönlicher Dank und #ff geht an:
Nadine @Kamika_ezchen
Mandy @oOMissPlaOo
Caro @688i
Micha @der_MvG
Torben @weezerle
Hubert @hubx
Simon Gauseweg
Marcel @marcel_sch
Foti @DosOz42
Bastian @bastianbb
& Florian @Zeroskillor
und vor allem an die, deren Namen ich mir nicht merken konnte;)
-
von jennybecker gepostet